Mein Interview mit ...

Vincent Kliesch. Vielen Dank, lieber Vincent, dass du dir die Zeit genommen hast und meine Fragen so ausführlich und sympathisch beantwortet hast!

Hier erst einmal ein kurzer Steckbrief, falls ihn jemand nicht kennen sollte:

Vincent Kliesch wurde in Berlin geboren. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Restaurantfachmann und arbeitete danach mehrere Jahre in der Gastronomie. Dabei entstand auch die Idee zu seinem ersten Thriller Die Reinheit des Todes, der auf Anhieb zu einem großen Erfolg wurde.
Wenn Vincent Kliesch nicht schreibt, steht er als Moderator und Stand-Up-Comedian auf der Bühne. Der Filmpark Babelsberg, in dem er täglich das Publikum unterhält, sowie der legendäre Quatsch Comedy Club sind nur zwei Stationen seiner Laufbahn als Entertainer. (Quelle: Blanvalet Verlag)

Seine Bücher:
Die Reihe um Julius Kern und Tassilo Michaelis
Die Reinheit des Todes
Der Todeszauberer
Der Prophet des Todes

Die Reihe um Severin Boesherz 
Bis in den Tod hinein
(wird fortgesetzt)

Und hier nun das Interview:




Wie entstand die Idee zu der Reihe um Julius Kern? Hat Ihr früherer Beruf als Restaurantfachmann Sie zu der Rolle des Tassilo Michaelis angeregt?

Ich habe tatsächlich mal an einem besonders stressigen Abend in einem Restaurant zu zwei Kolleginnen gesagt: „Ich schreibe mal ein Buch über einen Kellner, der seine schlimmsten Gäste ermordet!“.
Von da an haben mich die beiden dann immer wieder gefragt, wann ich das Buch denn nun schreibe, und mich selber hat die Idee auch nicht mehr losgelassen. Einige Monate später habe ich dann wirklich damit begonnen.


Wie kann man sich diese schrecklichen Arten des Tötens ausdenken, wodurch ließen Sie sich inspirieren?

Haben Sie mal versucht, in einem überfüllten Schwimmbad Ihre Bahnen zu ziehen, während irgendein Blödmann permanent Rückenschwimmen trainieren musste? Oder wollten Sie mal schnell eine Rolltreppe hoch, was nicht ging, weil sich zwei Deppen nebeneinander, statt hintereinander darauf stellen mussten? Um dann, oben angekommen, auch noch direkt am Treppenauslauf stehen zu bleiben? Tötungsarten erfinden ist leicht, man muss nur in sich hinein hören ...

Oh ja, das kenne ich. Oder beim Autofahren, sobald es ein Stäubchen Schnee hat - ich muss zur Arbeit und vor mir fahren sie mit 35km/h, denn es könnte ja glatt sein! Da sind schon einige schlimme Tode gestorben. In meinen Gedanken


Wie sieht ihr Arbeitsplatz aus? Haben Sie bestimmte Rituale vor dem oder während des Schreibens?

Ich trinke immer erst noch einen Kaffee, bevor es losgeht. Checke Mails, Facebook, noch mal Mails. Dann noch einen Kaffee. Dann muss ich noch dringend telefonieren. Kaffee. Mails. Facebook aktualisieren. Und irgendwann fange ich dann einfach mit dem Schreiben an und höre zwei Stunden lang nicht auf. Danach Mails checken und Facebook aktualisieren.


Wird es ein Wieder"lesen" mit Julius und Tassilo geben?

Mit Kern und Tassilo ist es so eine Sache … Die Geschichte ist rund und abgeschlossen. Trotzdem mögen ihn wirklich wahnsinnig viele Leser, und tatsächlich höre ich oft den Wunsch, dass es mit den beiden weitergehen sollte.
Ich würde allerdings nur dann einen neuen Tassilo-Thriller schreiben, wenn ich das Gefühl hätte, dass es der Trilogie nachträglich nicht schadet. Die Geschichte müsste super sein und es müssten Ebenen aufgedeckt werden, die bisher noch unentdeckt waren.
Ich schließe es nicht aus, aber zurzeit plane ich noch andere Geschichten. Im neuen Roman, der kommendes Jahr erscheint, hat Julius Kern jedenfalls schon mal wieder einen kurzen Gastauftritt.

Wie schön! "Bis in den Tod hinein" liegt schon bereit.

Arbeiten Sie aktuell an einem neuen Buch, an einer Fortsetzung der Reihe um Severin Boesherz?

Der neue Boesherz ist bereits fertig und wartet geduldig auf seinen Veröffentlichungstermin.
In der Zwischenzeit arbeite ich an einem neuen Projekt, über das ich aber zurzeit noch nichts sagen möchte ... (Außer, dass es etwas gibt, worüber ich nichts sagen möchte, womit ich gewissermaßen ja doch etwas gesagt habe.)


Hatten Sie auch mit Schreibblockaden oder -flauten zu kämpfen? Wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen? Gab es ein Allzweckmittel, das half?

Ja, das kenne ich leider nur allzu gut ... Zum Glück gibt es feste Abgabetermine, die mir dann letztlich auf die Sprünge helfen. Aber wenn es dagegen ein Allzweckmittel gäbe, würde ich es hier nicht einfach verraten. Ich würde Seminare veranstalten und steinreich werden.


Welche Genres und welche Autoren lesen Sie selbst am liebsten?

Ich lese relativ wenig. Das beeinflusst mein eigenes Schreiben zu sehr. Wenn, dann lese ich entweder Thriller deutscher Kollegen, oder lustige Bücher von Kollegen aus meiner Zeit als Comedian.


Haben Sie ein Lieblingsbuch? Wenn ja, welches?

Die Hannibal-Lecter-Reihe von Thomas Harris finde ich grandios. Diese Bücher waren meine Hauptinspiration dazu, selbst zu schreiben, und in vielen meiner Thriller finden sich Anspielungen oder Anlehnungen an diese tollen Werke. Tassilo Michaelis ist zum Beispiel von der Figur Hannibal Lecter inspiriert.

Während des Lesens fühlte ich mich auch an Hannibal Lecter erinnert. Diese Kultiviertheit und Intelligenz...


Welches war das schönste Erlebnis, das Sie als Autor hatten?

Der Moment, als meine Agentin mir schon drei Tage, nachdem sie mein Debüt an die größten Verlage rausgeschickt hatte, ein Vertragsangebot übermittelt hat. Üblicherweise wartet man monatelang auf Reaktionen, und die sind dann meist ablehnend. Das vergesse ich nie!

Das kann ich mir gut vorstellen. Aber es wundert mich nicht, dass so schnell ein Vertragsangebot kam.


Wie wichtig sind Buchblogger ihrer Meinung nach für Verlage und Autoren?

Blogger werden in Autorenkreisen sehr ernst genommen. Sie sind die Weiterentwicklung der Mundpropaganda – und die war schon immer die wichtigste Werbung. Gute Blogger können Bücher erfolgreich werden lassen, die sonst vielleicht niemand entdeckt hätte.

Das höre ich natürlich gerne :-)


Ärgern Sie sich über negative Rezensionen?

Na klar! Das tun alle Autoren, und mittlerweile geben es auch viele zu. Ich habe aber im Laufe der Jahre eine klare Haltung dazu entwickelt: Gute Rezensionen sind gut. Weil sie zeigen, dass das Buch einem Menschen Freude gemacht hat. Sehr schlechte Rezensionen sind ebenfalls gut. Weil sie zeigen, dass man die Guten nicht einfach bestellt hat. Und weil es viel weniger sind als die Guten. Und weil sie meist so tendenziös sind, dass sie nicht selten eher Anerkennung als Ablehnung ausdrücken. Nur mittelmäßige Rezensionen mag ich nicht. Die sagen aus: „Ganz nett, aber braucht man nicht ...“


Ein bisschen Privates


Welche Musik hören Sie gerne? Hören Sie Musik beim Schreiben oder brauchen Sie es ruhig?

Musik ist etwas unfassbar Wichtiges. Für Teenager. Die sagen dann immer Sachen wie „Kann mal jemand Musik anmachen?“, „Warum läuft hier eigentlich keine Musik?“, „Kannst du mal andere Musik anmachen?“ oder „Boah, ich hasse diesen Song!“.
Nein, Musik ist mir nicht besonders wichtig. Im Auto höre ich meist Inforadio, und pro Jahr lade ich mir vielleicht 20 Songs auf meinen Rechner.

Ich bin in dieser Beziehung wohl eher ein Teenager.


Welches ist Ihr Lieblingsessen?

Ich bin leidenschaftlicher Hobbykoch und verbringe am Tag mindestens eine Stunde am Herd. Auch, wenn ich nur für mich alleine koche. Ich kann absolut kein Lieblingsgericht benennen, dafür probiere ich zu gern aus. Aber ich liebe Fleisch. Und wenn es mal keine Tiere mehr gibt, dann esse ich Vegetarier.

Oh, das ist aber eine mutige Aussage - gerade in der heutigen Zeit. Ich könnte allerdings auch nicht komplett auf Fleisch verzichten. Und ich finde es so toll, dass du gerne kochst, mein Mann lässt leider das Wasser im Topf anbrennen...


Kaffee oder Tee? Oder Bier?

Wein. Bei aufmerksamer Lektüre meiner Bücher kann man dazu subtile Hinweise zwischen den Zeilen herauslesen ... 

Ja, das ist mir beim Lesen deiner Antwort auch wieder eingefallen. Gab es nicht sogar irgendwo einen Vorwurf der Werbung für einen bestimmten Wein??? Peinlich, dass ich das ganz vergessen habe.


Sind Sie abergläubisch?

Eher nicht. Ich liebe aber die vielen Menschen, die gern trotzig behaupten: „Meine Glückszahl ist die 13!“. Ich meine, was soll das? Die 13 ist in unserer Kultur die schlimmste aller Unglückszahlen. Entweder, man ist NICHT abergläubisch. Dann hat man aber auch keine Glückszahl. Oder man IST abergläubisch. Dann hat man vielleicht eine Glückszahl – ganz sicher aber nicht die 13! Ein Paradebeispiel für ein Paradoxon.


Sie sind kurz vor Ihrem 40.Geburtstag. (Ich hatte das im Februar hinter mir) Haben Sie ein Problem damit, wären Sie gerne noch jünger oder freuen Sie sich darauf?
  
Bloß nicht mehr jünger sein! Nicht nochmal alles von vorn ...
Auf die Frage, wie alt ich bin, antworte ich seit fast einem Jahr „Bald 40“, ich versuche also nicht mal, mich jünger zu machen. Noch finde ich älter werden gut, es entspannt enorm. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass ich uneitel wäre. Ich gebe zu, dass ich drei Mal wöchentlich ins Fitnessstudio gehe.

Respekt!  


So, das war es also, mein allererstes Interview. Ich war schrecklich aufgeregt, dabei völlig grundlos, wie sich herausgestellt hat.
Es hat mir echt Spaß gemacht.

Ein letztes riesengroßes Dankeschön an dich, lieber Vincent!!!





1 Kommentar:

  1. Ein spannender Einblick! :) Bin ja inzwischen zum absoluten Kliesch-Fan mutiert, erwarte das nächste Buch mit enormer Vorfreude und fand die Antworten hier überaus gut getroffen, macht das Bild von Autor und Büchern nochmal richtig rund und ich weiß, dass ich hier an der richtigen Stelle mit einer buchbedingten Zuneigung bin! ;D

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