Rezension Ein Jahr in Wien

Erscheinungsdatum: 11. Februar 2014
Verlag: Herder
192 Seiten
12,99€
  
Wien rangiert ganz vorn in Sachen Lebensqualität, Österreich auf Platz 8 der glücklichsten Länder. Das Essen ist besser, die Menschen gemütlicher und Jobs besser bezahlt. Tausende Deutsche wandern deshalb jedes Jahr nach Österreich aus. Dass die Deutschen sein Land mögen, mag auch der Österreicher. Er schätzt es, für den großen Bruder nebenan endlich attraktiv zu sein. Dafür hat er sich an die sächselnde Bedienung in Skihütten, an Fiaker-Fahrer aus Bochum und den preußischen Ton in Chefetagen gewöhnt. Aber es ist immer noch sein Land und es sind seine Regeln. Wien begann für Tonja Pölitz deshalb ganz und gar nicht wie im Bilderbuch, sondern mit Kaffee-Knigge, Tüten-Aufsicht und mit der Frage: Was wäre Wien ohne Wiener? 

Ein Piefke schreibt über die Haberer, kann das denn gut gehen? Ja, es kann.
Tonja Pölitz beschreibt ihr Jahr in Wien amüsant, locker und absolut sympathisch. Ich als Niederbayerin bin ja den Österreichern eh näher als zum Beispiel Hamburger. Daher waren mir die Eigenheiten unserer geliebt/gehassten Nachbarn nicht fremd und auch die potentiellen Fettnäpfchen  kann ich locker umschiffen, da bin ich mir sicher. Umso vergnüglicher ist die Sicht einer "echten Ausländerin" zu lesen.
Ich liebe den morbiden Charme der Wiener und ihre Sprache ganz besonders. Daher fand ich auch die vielen im Dialekt geschriebenen Stellen nicht störend, kann mir aber vorstellen, dass das viele anders sehen.

Neben den Einblicken in österreichische/wienerische Kultur und Geschichte berichtet Tonja Pölitz von ihrer Arbeit als Korrespodentin und ihren ganz persönlichen Problemchen mit den Wienern.

Etwas vermisst habe ich mehr "Insider-Wissen" oder Geheimtipps für evtl. Reisen in die österreichische Hauptstadt. Und ich glaube, dass jemandem, der mit Wien/Österreich nicht so vertraut ist, die Stadt "fremd" bleibt... Als Reiseführer ist dieses Buch eher nicht zu gebrauchen (wie andere Bänder der Reihe), Tonja Pölitz hat ihr Augenmerk mehr auf ihr persönliches Leben und Erleben gelegt.

Alles in allem ist "Ein Jahr in Wien" ein weiteres gelungenes Buch meiner geliebten Reihe, gehört meiner Meinung nach aber nicht zu den Highlights.

Da die "Ein Jahr in ..."-Reihe aber einfach soooo toll ist, bekommt auch dieser Band
4 Sterne.

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