Rezension Worte, die man mir nicht sagt

Erscheinungsdatum: 6. März 2015
Verlag: Ullstein 
160 Seiten
14,99€

"Hallo, Ihr Arschlöcher!" So begrüßt Véronique Poulain eines Tages ihre Eltern, als sie aus der Schule heimkehrt. Die Reaktion: eine zärtliche Umarmung. Véroniques Eltern sind gehörlos. Das hat seine guten Seiten, kann aber auch ganz schön nerven.
Als Kind ist Véronique mächtig stolz, wenn sie sich vor aller Augen in Gebärdensprache unterhält. Doch möchte sie nach ihrer Mutter rufen, muss sie sich etwas einfallen lassen. Und anders als man denkt, sind Gehörlose nicht unbedingt leise Menschen. Véroniques Eltern schmatzen genüsslich, pupsen geräuschvoll in der Öffentlichkeit und haben lauthals Sex. Ganz still ist es bei ihr zu Hause nie. Und richtig wild wird es, wenn ihre Mutter hinterm Steuer eine Diskussion beginnt.

Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber ich bin mit diesem Buch einfach nicht richtig warm geworden. Ist es der sachliche, nüchterne Schreibstil oder das, WIE Veronique Poulain über ihre gehörlosen Eltern schreibt? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem.
Meiner Meinung nach viel zu oft erfährt man, wie genervt die Autorin von ihren Eltern ist... Das hat mir richtig weh getan. Zu selten gibt es Einblick in schöne, lustige oder liebevolle Erlebnisse, das Negative steht zu sehr im Vordergrund.
Nun kann ich natürlich nicht mitreden, wie es ist, mit gehörlosen Eltern aufzuwachsen, aber irgendwie dachte ich einfach, dass es vielleicht viel selbstverständlicher ist, und nicht ein Leben lang so präsent und so merklich lebensbestimmend.
Mir war das Kind Veronique das gesamte Buch hindurch nicht sympathisch.
Im Anschluss an das eigentliche Buch befindet sich ein Interwie mit V. Poulain, in dem sie u.a. sagt:
"Das Buch ist für Hörende geschrieben worden, alsAntwort auf die Fragen, die sie mir seit meiner Kindheit stellen und die immer diesselben sind. Damit sie etwas besser Bescheid wissen über die Welt der Gehörlosen."

Wenn ich ehrlich bin, ich weiß nun nicht mehr darüber, außer, dass hörende Kinder gehörloser Eltern ganz schon angenervt sind (bzw. sein können) von diesem Zustand.

Vor Jahren habe ich den Film "Jenseits der Stille" angeschaut, der auch diese Problematik behandelt. Da kann man sehen, wie wunderbar das Thema auch aufbereitet werden kann.

Leider kann ich nicht mehr vergeben als
2 Sterne

Kommentare:

  1. "Jenseits der Stille" hatte ich auch sofort im Kopf, als ich von diesem Buch erfahren habe. Aber dieses Buch brauche ich nach deiner Bewertung nicht mehr.
    LG Lara

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  2. Hallöchen liebe Kristine,
    ich habe das Buch kurz nach der Buchmesse gelesen und fand es einfach wunderbar. Ich habe so viel aus diesem Buch mitgenommen. Ich denke, dass es keine Lektüre sein sollte die irgendwas erklärt, sondern einfach nur einmal das Leben mit Gehörlosen aufzeigt und ich finde, dass es das wirklich wunderbar gemacht hat. Ich musste so oft lachen und war manchmal ziemlich traurig, wenn sie so wütend auf ihre Eltern war oder ähnliches. Ich habe es wirklich genommen dieses Buch zu lesen. Schade, dass es dir nicht so viel gegeben hat. :/
    Ich habe deine Rezension unter meiner verlinkt und hoffe, dass das okay für dich ist. :)

    Liebst, Lotta

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