Rezension Anschlag von rechts



Erscheinungsdatum: 22. Mai 2017
Verlag: cbj
192 Seiten
14,99€

Mitten unter uns: Rechtsextremismus heute

Irgendwo in einer Kleinstadt mitten in Deutschland treffen sich drei Freunde auf ein Feierabendbier. In den sozialen Netzwerken haben sie sich schon an ausländerfeindlichen Pöbeleien beteiligt. Nun werden sie zu Verbrechern, denn wenige Stunden später werfen sie einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft. Die Bewohner, darunter auch Kinder, entkommen nur knapp.

Reiner Engelmann recherchiert die Hintergründe dieser schrecklichen Tat. Er analysiert die Beweggründe und er befragt die Opfer, die sich in Deutschland endlich sicher gefühlt hatten. Dabei wird deutlich: rechtes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und viel zu lange unbeachtet geblieben.


Nüchtern, emotionslos, eigentlich wie ich mir eine Gerichtsakte vorstelle, schreibt Reiner Engelmann über einen feigen Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim. Dieser Stil hebt "Anschlag von rechts" von anderen Jugendbüchern ab und passt sehr gut zum Inhalt, der nicht darauf abzielt, ein spannungsgeladener Roman zu sein.

Beginnend mir einem Prolog und einem "Vorboten" genannten Kapitel wird der Leser in das Buch geführt. Vorboten findet man überall seit längerer Zeit und es liegt mehr denn je an jedem einzelnen von uns, diese nicht zu übersehen, sondern laut dagegen anzugehen.

Daran anschließend lesen wir von fünf Schicksalen, von Menschen, die aus ihrer Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen geflohen sind.

In Teil 2 des Buches sind wir Zeugen der Tat und lernen die drei Täter kennen, drei Menschen, die logischerweise dem Klischee eines Wutbürgers zu 100% entsprechen.

Im letzten Teil begleiten wir die Gerichtsverhandlung und erfahren das Urteil.

Bezeichnend, wie diese drei rassistischen Täter von ihrem Umfeld gesehen wurden:
"Es seien im Grunde doch ganz anständige Leute. Nett, hilfsbereit, zur Stelle, wenn man sie brauchte." ( S. 162)

Im Nachwort geht Reiner Engelmann auf die unterschiedlichen Ursachen und Gründe ein, die Menschen dazu bringen können, ihr eigentliches Leben und ihre Existenz aufzugeben und ins Ungewisse zu fliehen - absolut lesenswert und wichtig.

Abgeschlossen wird "Anschlag von rechts" mit einem ausführlichen Glossar, in dem rechtsextreme Symbole und Codes erklärt werden, sowie Musik und Bekleidung.

"Ein Zeitzeuge, der den Holocaust überlebt hat, sagte mir einmal, Konzentrationslager seien nicht von heute auf morgen wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Viele kleine Dinge seien es gewesen, die sich im Laufe der Jahre aufgetürmt hätten.
Das Schlimmste sei der Hass gewesen." ( S. 170)

Fazit:
Meiner Meinung nach sollte "Anschlag von rechts" zur Pflichtlektüre in Schulen werden.

Kommentare:

  1. Huhu Kristina =)

    Das Glossar am Ende hat mir richtig gut gefallen. Was die Geschichte an sich angeht, hat der Autor mich irgendwo im Verlauf verloren. Das Thema ist natürlich wichtig, aber emotional hat er mich nicht gekriegt.

    LG
    Anja

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    1. Ging mir genau so, aber ich denke, dass Reiner Engelmann auch niemanden "emotional kriegen" wollte - ich las das gesamte Buch wie eine nüchterne Reportage. Wie einen Bericht auf ARD/ZDF und nicht RTL *ggg*

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  2. Huhu!

    Ja, immer wird gesagt, solche Täter seien doch ganz unauffällig gewesen, gute Nachbarn, liebe Jungs. Oder sogar so Sprüche wie: "Kann man doch auch verstehen, dass man da sauer wird, so mit den ganzen Ausländern, die alles umsonst kriegen!"

    Manchmal denkt man wirklich, die Leute erwarten von Immigranten, dass sie doch gefälligst in Lumpen gehüllt bettelnd an der Straßenecke sitzen solltem, und WEHE, sie haben sogar ein Smartphone, um mit ihrer Familie Kontakt halten zu können...

    Ich habe dieses Buch (noch)a nicht gelesen, aber solche Bücher sind immens wichtig.

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

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