Rezension Der Gedankenspieler





Erscheinungsdatum: 8. März 2018
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
240 Seiten
20€

Peter Härtlings letztes Buch: ein bewegender Roman über das Alter, die Freundschaft und die Einsamkeit.

 Peter Härtlings Kinderbücher begleiteten mich durch meine Kinder- und Jugenzeit.
"Das war der Hirbel", "Ben liebt Anna" oder "Oma" - selbst heute sind diese Bücher kleine Schätze.

 Als Peter Härtling im Juli 2017 starb, war "Der Gedankenspieler" noch unveröffentlicht, ja noch nicht einmal fertig überarbeitet und lektoriert.
Mit dem Protagonisten Johannes Wenger erschuf Peter Härtling wohl ein Alter Ego, denn eben wie dieser war auch Härtling lange schwer krank, war sogar in den letzen beiden Lebensjahr auf Dialyse angewiesen.

 So war es bewegend und bedrückend zu lesen, wie man im Alter immer mehr seine Selbstständigkeit verliert, wie man immer mehr auf die Hilfe anderer angewiesen ist.
Und dennoch konnte mich dieser letzte Roman Härtlings nicht ergreifen. Zu nüchtern berichtet er von seinem Leben, seinen Erinnerungen. Die Briefe, die er in Gedanken an die verschiedensten Personen "schrieb", irritierten mich.
Meine Highlights waren stets die Zusammentreffen mit der Tochter seines Arztes Dr. Mailänder


All das ist diesem gar nicht so romanhaften Roman abzulesen, in dem er sich mit dem alten, knurrigen Architekten Johannes Wenger ein Alter Ego geschaffen hat, dem er die Erfahrung aufbürdet, zum Hilfsbedürftigen zu werden.
Wenger schafft das mit erstaunlichem Gleichmut. Immer wieder haut es ihn um. Dann kommt er ins Krankenhaus, wo er zum Objekt der Medizin wird. Mehr und mehr lebt er aus den Erinnerungen. Zu den Höhepunkten des Buches gehört die nur kurz angedeutete Geschichte der Vertreibung und Flucht aus Mähren nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch das sind autobiographische Passagen. Härtling musste als Kind miterleben, wie die Mutter von Soldaten der Roten Armee vergewaltigt wurde und sich wenig später das Leben nahm.
Für den "Gedankenspieler" erklären diese Erinnerungen, warum es bei ihm keine Rückkehr in eine heile Kindheit geben kann und ihm nur die Flucht nach vorne bleibt. So endet das Buch mit dem Brief an Dr. Mailänder und die neu gefundene Familie. Härtling hält auch da einen leichten, und unangestrengten Ton durch. Das macht die Lektüre dieses Abschieds sicher zu keinem großen Roman, aber doch zu einem bewegenden, nahe gehenden Ereignis.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen